Futterstellen
Füttern allein reicht nicht!
Die Katzenhilfe kümmert sich um Streuner, die oft ohne direkten menschlichen Bezug aufgewachsen und deshalb sehr scheu sind. Diese Tiere schlagen sich mehr schlecht als recht durch, sind meist unterernährt und von Parasiten befallen. Ebenso geht es vielen Hof-/Dorfkatzen: Sie werden sich selbst überlassen, werden - wenn überhaupt - zu allem Übel häufig noch mit Milch "gefüttert" und sollen sich vom Mäusefangen ernähren. Viele von ihnen sind in einem sehr schlechten gesundheitlichen Zustand, haben Würmer, Ohrmilben, Haarlinge, Zahnprobleme, Verletzungen und mehr. Wenn uns solche Katzen gemeldet werden, versuchen wir sie so schnell wie möglich einzufangen. Sie werden tierärztlich behandelt, kastriert und danach wieder an ihre angestammten Plätze zurückgebracht.

Aus Mitleid herrenlose Katzen zu füttern, ohne sie gleichzeitig kastrieren zu lassen, führt zu einem stetigen Anwachsen dieser Populationen. Aus anfänglich ein, zwei Katzen werden dann ganz schnell 10 oder mehr, Inzucht und Krankheiten inbegriffen.
Füttern allein hat deshalb mit Tierschutz und Verhinderung von Katzenelend nichts zu tun!
Private Futterstellen für Straßenkatzen – Gut gemeint, aber oft schlecht gemacht
Es kommt immer wieder vor, dass wir durch Zufall auf eine private Futterstelle stoßen, Anwohner uns darauf aufmerksam machen oder die Betreuer an diesen Futterplätzen sich selber melden, weil sie zunehmend überfordert sind. Natürlich sind wir dankbar für jeden Katzenfreund, der das Elend verwilderter Katzen, die Not sich selbst überlassener Bauernhofpopulationen oder zurückgelassener Katzen bemerkt und sich teilweise jahrelang um diese Tiere kümmert. Für den organisierten Katzenschutz offenbaren sich beim genauen Hinsehen jedoch meist mehrere Probleme:
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Es wird heimlich gefüttert, bei Nacht, und alles möglichst unterm Deckel gehalten.
- Es gibt es keine geschlossenen (kontrollierten) Futterhäuser, das Futter wird einfach ins Gelände gestellt.
- Oft gibt es keinen wirklichen Überblick über die Katzen bzw. die Tiere allgemein, die sich dort bedienen.
- Und oft werden Futter-, Kastrations- und im schlimmsten Falle alle Tierarztkosten von solchen Leuten dann auch noch privat gestemmt.
Das ist kein nachhaltiger Katzenschutz!
Manch einer dieser privaten Fütterer fühlt sich angegriffen, wenn er darauf aufmerksam gemacht wird, dass dies der falsche Weg ist. Sie sehen ihr Engagement nicht gewürdigt, wollen lieber alles allein machen, fühlen sich durch Tierschutzvereine eher kontrolliert und lehnen eine Zusammenarbeit ab. Solche Futterstellen erweisen dem offiziellen Katzenschutz leider einen Bärendienst. Eben weil diese Katzen „nicht öffentlich“ sind! Geisterkatzen, die in keiner Wahrnehmung vorkommen!
Das bedeutet:
- die Zahlen der Population tauchen nirgends auf – weder bei der Gemeinde noch beim örtlichen Tierschutz!
- den bundesweiten Statistiken gehen viele Tiere „verloren“!
- die Kommunen können unverblümt behaupten, es gibt kein Katzenproblem! Denn die Katzen sind ja gar nicht (als verwilderte Population) bekannt.
Mitschuld an der Unmenge von Geisterkatzen trifft auch die Gemeinden!
Diese haben viel zu lange ihre Verantwortung geleugnet, sogar Fütterungsverbote ausgesprochen und Anwohner eingeschüchtert, die sich um verwilderte Katzen kümmern möchten. So wurden Katzenfreunde kleingehalten, flüchteten sich ins heimliche, oft nächtliche Füttern und waren darauf bedacht, dass sie und die Tiere möglichst gar nicht auffielen und gesehen wurden.
Diese fehlende Öffentlichkeit, die viele Katzenfreunde und leider auch Katzenhilfen und Tierschutzvereine über Jahre praktiziert haben, fällt uns heute auf die Füße!!
Unsere Schwäche ist deren Stärke!!
- Deshalb hat es ewig gedauert, bis das Katzenelend auch in Deutschland gesehen und als großes Tierschutzproblem wahrgenommen wird.
- Deshalb leugnen viele Kommunen nach wie vor die Streunerproblematik und sehen keinen Handlungsbedarf für eine KVO.
Ein weiteres – und beileibe nicht nur hygienisches Problem - sind die teilweise offenen Futterstellen:
An einigen gibt es kein Futterhaus, keine (geschlossene) Hütte oder Ähnliches. Damit steht das Futter u.a. „Schädlingen“ wie Ratten und Mäusen zur Verfügung, die sich leichter an offene, gut überschaubare Futterreste trauen als in ein Haus zu krabbeln, wo die Gefahr, von ihrem Totfeind überrascht zu werden, ungleich größer ist. An solchen Futterstellen können sich auch problemlos Igel, Fuchs, Waschbär & Co. bedienen. Ganz zu schweigen von den Fliegenschwärmen, die sich besonders in der wärmeren Jahreszeit über das Futter hermachen und dort ihre Eier ablegen!
Aus unserer Sicht ist das private Füttern in Dörfern, in Gewerbegebieten und Gärten damit oft problematisch. Nicht selten wird an solchen Futterstellen viel zu spät reagiert, wenn neue Katzen auftauchen oder sich womöglich Nachwuchs zeigt. So kommt es zu Situationen, in denen dann die kaum ein halbes Jahr alten Katzen plötzlich selber trächtig sind – und die Mama natürlich auch schon wieder dick ist. Manche sog. Katzenfreunde haben nach ihren eigenen Aussagen die Babys bisher immer selber vermittelt (womöglich ohne Schutzgebühr/-vertrag, manchmal sogar einzelne Kätzchen abgegeben). Erst wenn die privaten Abnahmen stagnieren, meldet man sich dann manchmal notgedrungen beim Tierschutz. Einige inserieren Kätzchen gar bei eBay oder kleinanzeigen.de und versuchen auf diese Weise, Interessenten zu gewinnen.
Bitte wendet euch rechtzeitig an die Tierschutzvereine vor Ort! Nicht erst, wenn Katzen mehrfach Junge produziert haben, Krankheiten oder Inzucht auftreten und die Populationen schon zweistellig sind!
Der Schlüssel im Katzenschutz ist eine umfassende Zusammenarbeit von allen (auch den nicht organisierten) Katzenfreunden, die Dorf- und Bauernhofkatzen betreuen und dem Tierschutz. Kleinklein vergrößert das Problem! Denn so bleibt auch die Sichtbarkeit der Katzen klein. Die Kommunen sehen keinen Handlungsbedarf, weil ein paar „verrückte Katzenweiber“ ihnen die Arbeit abnehmen und noch eigenes Geld dafür in die Hand nehmen.
Die Katzenhilfe richtet möglichst geschützte Futterstellen ein, an denen die Tiere täglich von unseren Betreuern, das ganze Jahr über und bei Wind und Wetter, mit artgerechtem Futter versorgt werden. Außerdem stellen wir ihnen dort ggf. Schlafhäuschen aus Styropor auf und überwachen die Plätze immer wieder mit Wildtierkameras. Sehr wichtig ist dies in Bezug auf zugewanderte, unkastrierte Kätzinnen, die ihren Nachwuchs zur Futterstelle bringen. Die Kleinen müssen rechtzeitig eingefangen werden, ehe sie selbst verwildern. Eine Vermittlung in gute Hände ist ansonsten nur schwer und mit hohem Einsatz auf den Pflegestellen, manchmal gar nicht mehr, möglich.
Die Sorge von Anwohnern, ihre eigenen Katzen würden sich an unseren Futterstellen vollfressen, ist in den allermeisten Fällen unbegründet: Halterkatzen wurden bisher nur äußerst selten selten von unseren Kameras aufgezeichnet. Sollte tatsächlich eine (kastrierte, gekennzeichnete und registrierte) Halterkatze an einer Futterstelle eingefangen werden, wird sie einfach wieder freigelassen. In der Regel meiden sie aber Stellen mit mehreren Streunern, da diese Reviere und Futterplätze aggressiv verteidigen.
Ratten und Mäuse
Futterstellen für Straßenkatzen ziehen keine Ratten und Mäuse an!! Woher dieses wirklich sonderbare Vorurteil kommt, bleibt uns ein großes Rätsel. Katzen haben sich vor Jahrtausenden dem Menschen angeschlossen, weil es in seiner Nähe ein hohes Nageraufkommen gab. Die Menschen haben die Nähe der Katzen genau deswegen geschätzt - weil sie die Schadnager reduzierten.
Das große Unglück für die Katzen begann, als die Kirche im Mittelalter die Katzen dämonisierte und zu "Ausgeburten des Teufels" erklärte. Plötzlich waren sie keine wertvollen und geschätzten Helfer mehr. Ähnlich verunglimpft und im Aberglauben verfolgt wie Hexen, wurde das bei vielen Völkern heilige Tier tausendfach grausam getötet. Die Dezimierung der Katzen hatte für die Menschen damals schlimme Folgen: Die Pest, übertragen durch ihr Wirtstier, die Ratte bzw. Rattenflöhe, breitete sich aus.
Katzen sind für Ratten und Mäuse Todfeinde. Warum die sich ausgerechnet an einer Futterstelle ansiedeln sollten, konnte uns noch niemand erklären. Allein die Anwesenheit einer Katze hält Ratten auf Abstand. Gerade Ratten leben überall und sehr gerne in Menschennähe, weil sie dort genügend Speisereste und Abfälle finden, von denen sie sich bestens ernähren können.
Fütterungsverbote von Gemeinden werden gern mit dem Hinweis ausgesprochen, dass Futterplätze für Katzen Ratten anlocken. Ein haarsträubendes Argument, das leider auch im 21. Jahrhundert gerade auf dem Land seine Wirkung nicht verfehlt. Hier werden Mäuse und Ratten lieber mit Gift bekämpft als mit ihren natürlichen Feinden. Traurig, welch falschen Weg hier die Einstellung den Katzen gegenüber eingeschlagen hat: vom wertvollen Helfer zur verachteten Kreatur.